Allein sein vs. Einsamkeit

“All great and precious things are lonely.”
― John Steinbeck, East of Eden

In der Vergangenheit habe ich unzählige Beiträge über Einsamkeit geschrieben. Heute schreibe ich diesen, weil ich mir ein Podcast angehört hatte, der mich zu nachdenken erregt hatte. Das es so viele verschiedene Arten von Einsamkeit gibt. Ich werde euch erzählen, welche ich alles kenne. Hier geht es zum Podcast, falls es jemanden interessiert.

Fangen wir mit dem Thema allein sein an. Wie auch in dem Podcast erwähnt wird, sind es auch für mich zwei völlig unterschiedlichen Dinge. Man kann allein sein und einsam, aber man kann auch unter Menschen sein und einsam. Was mich angeht bin ich gerne allein. Manchmal habe ich Phasen, da kann ich mich nicht wirklich ertragen, aber sogar in diesen Momenten ist es denke die richtige Lösung allein zu sein und sich mit mir selbst zu beschäftigen. Wenn ich allein bin, kann ich mich sehr gut beschäftigen. Ich konnte noch nie nachempfinden, warum so vielen Menschen langweilig ist. In dem Podcast wird das Buch Yates: 11 Kinds of Loneliness erwähnt. Werde es mir bei Gelegenheit bestellen und lesen.

  • Ich fange einfach chronologisch mit meiner Einsamkeitsgeschichte an. Es fängt schon damit an, dass ich mich nicht an meine Kindheit erinnere. Das macht einsam. Ich hätte gerne tolle Erinnerungen und Geschichten, die ich weiter erzählen kann.
  • Dann hatte ich immer viele Leute um mich rum gehabt, da es bei uns immer drüber und drunter ging. Wenn ich jemand ins Herz geschlossen hatte und es war Zeit für diese unseren Haushalt zu verlassen, war ich immer ziemlich einsam.
  • Als die Zeit verging, empfand ich es als einsam, dass ich keine Liebe von meinen Eltern erhalten hatte, sondern „nur“ materielle Dinge. Ich erinnere mich, als ich ziemlich früh bemerkte, dass das kein wahres Glück ist.
  • Die schlimmste Einsamkeit erlebte ich wahrscheinlich, als ich mit meiner Mutter nach Deutschland gezogen bin. Wie oben erwähnt waren immer Leute bei uns und plötzlich war es nur noch sie und ich. Wir haben nie miteinander geredet und öfters war sie nicht mal da. Ich war verloren und einsam in einem neuem Land.
  • Dazu kam, dass ich bis 15 oder so nicht wirklich Freunde hatte. Es gab Schulfreunde, aber ich konnte mich nie wirklich dazugehörig fühlen. Dazu kam, dass ich eh nie Geld hatte um was mit den zu unternehmen oder ich durfte gar nicht rausgehen. Ich war immer allein in meinem Zimmer vor dem Fernseher und ziemlich einsam.
  • Irgendwann war ich in meiner ersten Beziehung. Ich war sicher weniger einsam. Und hatte auch neue Freunde gefunden. Ich litt immer noch an der Einsamkeit, aber wenn ich mit ihm war, konnte ich sie für den Moment vergessen. Als er mich betrogen hat und wir plötzlich heimlich zusammen waren, wurde die Einsamkeit wieder stärker.
  • In der Zeit, wo meine Depressionen in Höchstform aufgetreten sind, habe ich mich wirklich machtlos und einsam gefühlt. War sicher einer der schlimmeren Phasen in meinem Leben.
  • Als ich von zuhause ausgezogen bin, ging es abwärts in meinem Leben. Ich zog mit einer Freundin zusammen und es war toll. Ich glaube das erste Mal empfand ich wieder eine stärkere Einsamkeit, als ihr Freund zu uns gezogen ist und wir dann weniger Zeit miteinander verbracht hatten.
  • Plötzliche Kontaktabbrüche machen einsam. Da differenziere ich nicht zwischen Freundschaften oder romantischen Angelegenheiten.
  • Meine Jahre in Berlin waren eine lange Periode von Einsamkeit. Ich war wieder an dem Punkt keine wirklichen Freunde zu haben oder überhaupt viel sozialisieren zu wollen. Ich verbrachte die meiste Zeit auf der Arbeit oder allein zuhause.
  • Ich erinnere mich an den Spruch mit dem ich Einsamkeit mal beschrieben hatte: „Einsamkeit ist, wenn man was tolles kocht, aber niemanden hat, mit dem man es teilen kann.“
  • In der Zeit, wo ich wieder bei meiner Mutter lebte, war ich ziemlich einsam. Weil ich kein Geld hatte. Ich wohnte ziemlich nah an Nürnberg und hätte regelmäßig meine alten Freunde besuchen kommen können, aber ich konnte es mir nicht leisten. In der Zeit verbrachte ich viel Zeit online um mit anderen zu zocken und zu reden.
  • Ich zog zu meinem Freund nähe Bremen und durfte da absolute Einsamkeit verspüren. Es war der Ort. Nichts was man unternehmen kann, keine Freunde, immer noch kein Geld. Alle Freunde viel zu weit weg um die einfach mal besuchen zu können. Immer wenn wir bisschen Geld hatten, hat er versucht mein Fernweh zu stillen in dem wir nach Bremen oder Hamburg gefahren sind. Ich war damals aber ziemlich ausgebrannt und hatte eher das Gefühl tot zu sein als lebendig.
  • Als unsere Beziehung vor sich hinstarb lernte ich eine neue Form von Einsamkeit kennen. Man lebte unter einem Dach und an sich vorbei, obwohl es eigentlich schon längst das Ende war. Wir verbrachten nicht mal mehr unsere Zeit im selben Raum, geschweige in einem Bett. Wenn seine Schwester zu Besuch war und wir gezwungen waren doch in einem Zimmer zu sein, schlief ich auf seinem Bett und er auf der Matratze.

Wir sind jetzt in der Gegenwart angekommen und ich empfinde zurzeit alles Mögliche an Einsamkeit. Sex ohne Liebe macht irgendwie einsam. Sich Menschen nicht öffnen zu können auch. Zu wissen, dass andere einen nicht verstehen können/wollen macht auch einsam. So wie jemanden zu lieben, der einen nicht will. Anders zu sein macht mich wahrscheinlich am einsamsten. Stärker zu sein und man selbst zu sein isoliert einen. Man fühlt sich allein, wenn man keine gleichgesinnten auf der intellektuellen Ebene findet.

„Je näher ich den Menschen kommen will, desto weiter entfernen die sich.“; sagt die eine im Podcast. Und ich empfinde es genau so. Der Satz bezieht sich drauf, dass wenn man versucht was zu erschaffen, was uns den Menschen näher kommt, man sich indirekt auch wieder entfernt, weil man viel weiter ist als die anderen. Man rennt hinterher, aber überholt letztendlich nur. Ich will nicht behaupten, dass ich was besseres bin, aber ich fühle mich oft nirgendwo zugehörig und wandere umher, auf der Suche nach einem Ort, von dem ich nicht wieder wegrennen möchte.

Es gibt keine richtig höhere Bedeutung an dem Beitrag heute. Wir empfinden alle irgendeine Art Einsamkeit und ich wollte einfach nur meine Gedanken sortieren, nachdem ich mir diesen Podcast angehört hatte. Bis dann (: