Ein Brief an meine Eltern.

Hey Mama, Hey Papa,

auch wenn ich weiss, dass ihr es nie lesen werdet, auch schon weil ihr kein deutsch versteht. Es ist aber etwas was ich schon immer loswerden wollte. Ein Brief, den ich nie schreiben wollte. Weil ich Abschiede hasse. Jetzt ist es Zeit fuer meinen Neuanfang. Es gibt kein Wegrennen mehr. Bevor ich anfange ueber alles zu schreiben will ich euch sagen, dass ich euch liebe. Egal was passiert ist, ihr seid meine Eltern &’nd bei euch wuerde ich eher sagen zum Teil erzogen wurde.

Ya, ich weiss, dass ich ein ‚Unfallkind‘ war, aber ich denke alle Eltern freuen sich, wenn ihr Kind auf die Welt kommt. Ich weiss leider auch nicht ob ich ein glueckliches Kind war. Ihr habt nie was ueber meine Kindheit erzaehlt &’nd Erinnerungen sind leider auch keine haengen geblieben. Ab da, wo ich mich erinnern kann, war ich stets ungluecklich. Komischerweise habe ich sogar nicht recht mitbekommen wann ihr euch getrennt habt. Vielleicht habe ich keine Erinnerungen, weil irgendwas Schlimmes passiert ist, aber da will ich nicht weiter darueber spekulieren, da es eh zu keinem Ergebnis fuehrt.

Mama, seit dem wir nach Deutschland gezogen sind nachdem Oma starb, fing wohl die schrecklichste Zeit in meinem Leben bisjetzt an. Das Zusammenleben mit dir war so unertraeglich. Du warst stehts unzufrieden mit mir, wolltest das ich weniger esse, damit ich abnehmen kann, du hast mir nie meine Ruhephasen gegoennt. Du hast mich Wochenlang allein zuhause gelassen um mit deinem Lover zu sein… Glaubst du ich weiss es nicht? Klar hast du dir immer Luegen ausgedacht, aber ich habe meine Gruende sie dir nicht zu glauben. Ab da lernte ich das Gefuehl von Einsamkeit kennen, dass mich jetzt immer noch verfolgt. Als du herausgefunden hast, dass ich mich geritzt habe, hast du mich ausgelacht &’nd meintest ich solle mich doch umbringen. Das ist wahrscheinlich einer der Gruende wieso ich mich wertlos fuehle. Wieso ich oefters denke, dass es egal sei wenn ich nicht mehr da bin. Da du mich nie gelobt hast wenn ich gute Noten hatte verlierte ich immer mehr Lust am lernen, meine Noten wurden schlechter &’nd ich verfiel so langsam ohne es zu merken tiefer in meine Depressionen rein. Je schlechter es mir ging, desto weniger konnte ich dich ertragen. Du hast mich von irgendwelchen Leuten bestalken lassen, meine Sachen hast du staendig durchsucht &’nd sogar meine Smsen &’nd Anrufe hast du kontroliert. Deine Anwesenheit machte mich immer nur ungluecklicher, bis ich eines Tages meine Sachen packte &’nd von zuhause weggegangen bin. Wochenlang war ich weg &’nd von dir kam kein einziger Anruf. Manchmal wuensche ich mir, dass ich in der Zeit gestorben waere. Damit du im schlechtem Gewissen versinken wuerdest. Nya, es waere wahrscheinlich immer noch so, dass du es als einer der letzten erfahren wuerdest. Es ist auch gut so. Schließlich hatte ich immer das Gefuehl, dass andere Menschen dir wichtiger sind als ich. Das Denken habe ich wohl uebernommen. Andere sind oefters mehr Prioritaet als ich selbst, obwohl ich mich lieber um mich selbst kuemmern sollte.
Materiell hat es mir dagegen nie gemangelt. Was sich nicht gut auf meine Zukunft ausgewirkt hat. Leide an diesen sogenannten ‚LuxusProblemen‘.

Jetzt wohne ich bald zwei Jahre nicht mehr bei dir &’nd leider muss ich sagen, dass ich tausendmal gluecklicher bin. Ich vermisse dich nicht. Es sind alles harte Worte von mir, aber eigentlich muesste ich dich dafuer hassen, dass ich so ‚gestoert‘ bin, denn ich bin der Meinung, das es wegen dir so ist. Weil du mich immer als ein nutzloses Kind gesehen &’nd mir zu spueren gegeben hast. Immer wenn ich an dich denke spuere ich nur Trauer &’nd Schmerzen. Es macht mich traurig, dass es so ist wie es ist, denoch liebe ich dich, weil du meine Mama bist. Emotional wuerde ich mich nie wieder auf dich einlassen. Ich will kein besseres Verhaeltnis zu dir aufbauen, weil ich weiss, dass du nie Fehler an dir sehen wuerdest &’nd dich deswegen nicht aendern kannst. Ich freue mich, dass du eine andere Tochter geboren hast, denn dadurch fiel es mir leichter zu gehen. Ich hatte immer Sorgen, dass du einsam sein wuerdest wenn ich gehe. Die muss ich nicht mehr haben. Es tut mir Leid, dass ich nie die Tochter war, die du dir gewuenscht hast. &’nd ich werde es wahrscheinlich auch nie sein, weil ich nicht fuer dich lebe; sondern fuer mich.

Lieber Papa,

ich weiss kaum was von dir, aber habe zwei gute Erinnerungen an dich. Ich liebte es immer sehr mein Kopf auf dein Bauch zu legen um zu spueren wie die Bauchdecke hoch &’nd runtergeht. Die andere ist, dass du mir das Lesen auf vietnamesisch beigebracht hast.
Es ist schwierig dir war zu schreiben. Du bist zwar mein Papa aber es kommt mir so vor als waerst du ein fremder fuer mich. Du erzaehlst nie was von dir, wir wissen meistens eh nicht ueber was wir reden sollten. Meistens geht es in den Gespraechen darum, dass ich meine Schule machen soll um eine bessere Zukunft zu haben. Das ist einer der Gruende, wieso ich dich nicht gerne besuche. Weil es einfach nichts zu bereden gibt. Du rufst auch nur zweimal im Jahr an; zu meinem Geburtstag &’nd zu Weihnachten, erwartest aber von mir, dass ich dich oefters anrufe oder dich besuche. Seit fast zwei Jahren wohne ich alleine &’nd du hast mich noch nicht einmal besucht.

Ich bin froh, dass ich immer mehr von anderen Menschen umgeben war als von euch. Denn ihr habt mir mehr Unglueck als Segen gebracht. Ich bin froh, dass ich nicht so bin wie ihr. Auch wenn das alles hier schlecht klingen mag. Ich bin dankbar, dass ich immer genug zum Essen &’nd ein Dach ueber den Kopf hatte. Trotz allem will ich euere Naehe nicht haben. Auch wenn ich weiss, dass ihr gute Menschen seid.

In tiefster Trauer, eure Tochter.