Nähe, Unsicherheit, Verlustängste

Es ist wieder einer dieser Phasen, wo meine Emotionen mit mir durchbrennen. Es tut weh. Ich versuche mich mit Alkohol zu betäuben und kämpfe den unerbittlichen Kampf gegen das Bedürfnis mir wehzutun. Oder jemanden zu finden, der es für mich erledigt. Ich habe eine unglaublich schwache Zeit gerade. Alles scheint schwarz und hoffnungslos. Alle sind böse oder ich bin es nicht Wert, dass man mich liebt. Ich weiß, dass es wahrscheinlich wieder vorbeigeht. Wie all die anderen Male in meinem Leben. Irgendwie habe ich es immer wieder geschafft mich aus dem Wasser zu ziehen. Aber gerade fühlt es sich so an, als würde dieser Schmerz einfach niemals aufhören. Während ich diese Zeilen schreibe, schlägt mein Herz wie verrückt und ich die Schmerzen in der Brust scheinen nahezu unerträglich. Ich greife nach der Flasche und trinke wieder. Ich hasse mich dafür. Ich weiß, dass es nicht gut für mich ist. Und trotzdem kann ich mich nicht dagegen wehren. Vielleicht möchte ich es auch nicht. Ich weiß es nicht so genau. Ich möchte in diesem Moment einfach nur, dass es aufhört. Ich verfasse diesen Text als Hilfeschrei. An mich, an meine Mitmenschen. Es wäre schön, wenn jemand mich anrufen würde oder mir einen heißen Kakao vorbeibringen würde. Aber wer will schon mit dem Scheiss hier zu tun haben.

Es ist so schlimm, dass ich nicht direkt nach Hilfe schreien kann. Ich kann niemandem schreiben, dass ich ihn brauche. Und wenn ich es tue, bin ich unfähig zu zeigen was in mir vorgeht. Ich rede darüber wie schlecht es mir geht, aber meine Gefühle haben sich abgeschaltet. Ich schäme mich dafür, dass ich so bin. Und denke, dass mich keiner so ertragen kann. Das alle mich verlassen. Und mich hassen. Weil ich ein Wrack bin. Weil ich leer bin und nichts zurückgeben kann. Weil ich meine Fassade nicht aufrecht erhalten kann. Weil ich wertlos bin. Weil ich eine Belastung bin. Weil ich es nicht verdient habe, dass man gut zu mir ist. Weil ich mich nicht im Griff habe. Weil ich krank bin. Mir würden wahrscheinlich noch tausende Gründe einfallen, warum man mich im Stich lassen sollte. Auch wenn ich weiß, dass es wahrscheinlich gute Seiten an mir gibt, bin ich gerade nicht in der Lage die zu erkennen. Ich weiß, dass diese Phase nur ein Teil von den vielen anderen Phasen ist. Trotzdem fühle ich mich so schwach und machtlos. Und das führt wieder dazu, dass ich mich hasse. Ich möchte nicht schwach und machtlos sein. Ich möchte so sein wie ich bin, wenn ich mich mögen kann, wenn ich OK bin. Aber das bin ich gerade nicht und es bringt mich förmlich um.

Ich würde am liebsten alles dafür tun, dass es aufhört.

Ich möchte gerne den Menschen, die mir Nahe stehen meine tiefsten Abgründe zeigen. Den zeigen können, wie verletzt ich bin. Wie verloren ich bin. Wie schwer das alles für mich ist. Tag für Tag. Jedoch habe ich Angst, dass man mich dann mit anderen Augen sieht. Ich habe Angst, dass man denkt, dass ich ein fucking Psycho bin, einfach nur Aufmerksamkeit brauche oder manipulativ bin. Das ich meine Mitmenschen nur benutze, damit es mir besser geht. Obwohl ich mich so sehr nach Liebe und Nähe sehne, möchte ich allein sein. Niemanden sehen oder hören. Niemandem zeigen wie es mir geht. Jedes Mal wenn ich mich öffnen kann, fühle ich mich für einen Moment besser. Danach folgt das Tief. Meine grausige Seele liegt offen für mein Gegenüber da und ich will einfach nur noch weglaufen. Die Angst verlassen zu werden wird unerträglich. Und ich ziehe mich wieder zurück. Die Angst abgelehnt zu werden ist zu grauenhaft. Ich vertraue niemandem. Ich denke, dass sie nur vor mir nett sind und dann froh sind, wenn sie mich nie wieder sehen müssen. Warum sollte man sich mit jemandem wie mir abgeben, wenn es da draußen viele tolle ’normale‘, liebenswürdige Menschen gibt?

Ich bin es satt dauernd kämpfen zu müssen. Gegen mich selbst. Gegen diese unglaublichen Gefühle. Gibt es einen Ort, wo ich einfach eine Pause machen kann? Nur kurz…

Inzwischen kann der Alkohol meine Schmerzen nicht mehr unterdrücken. Ich liege da und weine laut wie ein kleines Kind. Ich hasse mich wieder dafür und möchte nur noch, dass es aufhört. Ich weiß nicht was ich tun soll, außer mich dem hinzugeben. Um mich dann noch mehr zu hassen.

Versteht mich nicht falsch. Ich kenne Wege, damit es mir wieder besser gehen kann. Ich kenne meine Rettungsanker. Vielleicht schreibe ich deswegen diese Zeilen. Aber letztendlich kann ich mich gerade nicht dazu bewegen die positiven Dinge zu tun. Sonst kriege ich es meistens hin. Die Tage geht es nicht. Vielleicht versuche ich es nur nicht gut genug. Oder vielleicht bin ich einfach unfähig mir zu helfen. Vielleicht soll es so sein, dass ich leiden muss. Vielleicht brauche ich den Schmerz.

Ich ertrage gerade auch das Schreiben nicht mehr. Bis dann. Und nein, ich werde mich nicht umbringen.