Things I couldn’t write.

‚Shame is a soul eating emotion.‘ – C.G. Jung

 

Es ist eine Weile her, dass ich schrieb‘. Die Gründe waren eher weniger die üblichen (Faulheit, Lustlosigkeit oder Ideenlosigkeit); sondern die Scham. Alle die mich kennen, wissen das ich schon immer gegen meine Depressionen ankämpfte. Die letzten Jahre schlug ich mich da irgendwie durch und ‚es ging immer irgendwie‘. Es war nie perfekt, aber es war okay. Ich hatte ein Leben und meine Freiheiten. Inzwischen ist es wieder so schlimm, dass ich es nicht mal mehr über mich gebracht habe darüber zu berichten. Immer wieder versuchte ich Menschen zu motivieren durchzuhalten in der Hoffnung, dass es besser wird oder sogar irgendwann vorbei. Jedoch musste ich feststellen, dass ich es selber nicht wirklich auf die Reihe bekam.

Die Zeit vergeht und vergeht… Bald werde ich schon 25 Jahre alt, jedoch ist mein Leben ein reinster Chaos. Chaos ist vielleicht nicht mal das richtige Wort…, ein Klumpen ‚irgendwas Schlechtes‘ würde es besser beschreiben. Seit ich aus Berlin zu meiner Mutter zurückgezogen bin, geht es nur bergab. (Ich weiß es, dass man immer irgendwie selber Schuld ist wenn das Leben unzufrieden stellend ist. Doch manchmal, ist es für mich schwer über meinen Schatten zu springen und was besseres daraus zu machen.) In einem Kaff ohne Aussicht auf eine Zukunft, geschweige denn einem richtigem Job, versuchte ich das Beste daraus zu machen. Ich jobbte in einer Shishabar für 6€ die Stunde an den Wochenenden, mit fast 100%ger Wahrscheinlichkeit mit Kopfschmerzen nach Hause zu kommen. Es war okay. Nebenbei habe ich dann einen neuen Versuch gestartet meinen Führerschein zu machen; den ich dann auch sogar beim ersten Mal bestanden hatte. Auch wenn ich nicht wirklich gut darin bin und parken kann ich so überhaupt nicht… Das ist aber ein anderes Thema :). Nachdem auch das bestanden war, finanzierte mir meine Mutter einen Bartenderkurs, den ich dann auch mit guten Noten abgeschlossen hatte. So hielt mich auch nichts mehr in Marktredwitz fest und ich beschloss einen Neuanfang zu wagen. Eine gute Freundin hat mir ihre Wohnung zur Verfügung gestellt und als die erste Email mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch ankam, packte ich meine Sachen und landete wieder in Berlin. Leider hatte ich eine Absage kassiert. Meine erste. Normalerweise bekam ich immer die Chance mich in einem Probetag zu beweisen, aber dieses Mal war das anders. Es war frustrierend, aber ich versuchte weiter zu machen und redete mir Mut ein. Nach gefühlten Tausenden Bewerbungen ohne jemals eine Antwort erhalten zu haben, verlor ich dann langsam aber sicher die Hoffnungen und zweifelte daran jemals einen Job zu bekommen, den ich mögen würde. Letztendlich endete ich in einem Callcenter für die Deutsche Bahn. Da wusste ich wieder warum ich das Telefonieren so hasste. Immer das selbe und selbe, das Tag für Tag.

Als meine Mutter mich anrief und mir erzählte, dass sie und ein Bekannter von uns ein Restaurant aufmachen wollen, war ich erstmal skeptisch. Schließlich habe ich schon ein Mal mein Leben aufgeben weil wir irgendwie ein Geschäft aufmachen wollten. Nachdem ich immer wieder und wieder und wieder fragte ob das denn sicher sei und meine Mutter bejahte, war ich doch recht aufgeregt und dachte über Ideen nach, die ich eventuell umsetzen könnte. Nachdem mein Neustart in Berlin nicht wirklich funktionieren wollte, war es für mich alles beschlossene Sache und ich freute mich über einen neuen Abschnitt in meinem Leben. Ich wusste, dass es kein Spaziergang werden würde, aber mir war bewusst, dass ich die Chance hatte irgendwas zu erreichen. Vor allem finanziell. Nachdem ich umgezogen war und ich meine Ersparnisse ausgeben hatte, war ich wie ein Vogel im Käfig. Das wollte ich nicht mehr sein. Geld ist nicht alles, aber für mich war das ein Ticket in die Freiheit. Das Datum stand fest, ich packte meine Sachen und malte mir aus wie es werden könnte. An dem Abend vor meiner Abreise hat mich meine Mutter angerufen um mir zu sagen das es nichts wird. Mit den langweiligen Details will jedoch ich eure Zeit nicht verschwenden. Ich war unglaublich wütend und weinte. Schon wieder hat diese Frau mich enttäuscht. Trotz allem bin ich umgezogen, da ich es nicht mehr rückgängig machen konnte. Das war die Geschichte wie ich in Memmingen landete. Statt Träume erwartete mich eher Trauma. Dort sollte ich das Nageldesign und sowas wie Fußmassagen lernen. Ich war nie wirklich das typische Mädchen und es war nie ein Beruf den ich erlernen wollte. Ich empfinde keine Freude an ewigem sitzen, geschweige an Fingernägeln lackieren. Ab da war die Frust einfach unüberwindbar für mich. Jedoch war ich 6 Tage die Woche dort und versuchte alles irgendwie in einem gutem Licht zu sehen. Eines Tages kamen meine Rückenprobleme wieder zurück und ich beschloss einen neuen Weg zu gehen.

Planlos und ziellos wie ich war, zog ich letztendlich zu meinem Freund, wo ich jetzt noch bin. Es lief schlechter ich als ich es erwartete. Das Kaff hier ist noch kleiner als das bei meiner Mutter und die Hoffnungslosigkeit stieg. Der Kreislauf fing wieder an. Keine Zukunft, kein Job und dazu kommt noch keine Freunde. Es war immer selbstverständlich für mich Freunde zu haben, ins Kino zu gehen oder einfach rauszugehen um was zu trinken oder zu essen. Hier gibt es nichts davon. Zumindest nicht ohne ein Auto um in einen anderen Ort zu fahren. Meine Depressionen sind schlimmer geworden, dass ich mehrmals darüber nachgedacht hatte mir das Leben zu nehmen oder mich in eine Klinik einweisen zu lassen. Der Grund warum ich noch durchhalte ist, das es sich alles bald ändern wird. Wir werden in eine größere Stadt ziehen und ich versuche wieder neu anzufangen.

Soziale Kontakte zu halten war nie unbedingt meine Stärke. Ich bin ein Mensch, der mit Smalltalk nicht viel anfangen kann und ich mich deshalb nicht sehr viel bei anderen gemeldet hatte, wenn es nicht wirklich einen Grund gab. Zurzeit ist es schrecklich. Auf einer Seite bin ich einsam, aber auf der anderen Seite will ich nicht bei jedem weinen wie schlecht es mir geht. Am Ende melde ich mich gar nicht mehr bei meinen Freunden. Das tut mir weh. Nicht nur weil ich Angst habe sie zu verlieren. Ich fühle mich als ein schlechter Freund und Mensch, der nicht für seine Freunde da ist. Und es tut mir unendlich Leid. Ich will gerne mit ihnen quatschen und gegenseitig Trauer und Freude teilen. Es fällt mir nur sehr schwer über mich selbst zu reden ohne das ich in Tränen ausbreche und mich einfach miserabel fühle.

Ich verstehe es selbst nicht, wieso ich mich doch beschlossen habe zu schreiben. All die Zeit schämte ich mich so sehr für das was ich zurzeit bin und wollte nicht das andere Menschen wissen wie schlimm es eigentlich ist. Bin selbst verblüfft, dass ich diese Zeilen verfasst habe und spüre eine kleine Erleichterung. Ich denke zurück und weiß das ich es schon öfters geschafft habe ein wenig die Depressionen zu überwinden; jedoch denke ich auch sehr oft darüber nach ob ich es immer wieder tun möchte. Mein Wunsch ist es nur nicht für immer kämpfen zu müssen und mich ein bisschen mehr lieben kann als Person.

Letztes Jahr war nicht das beste Jahr für mich; habe hier und dort gelebt ohne wirklich was eigenes zu haben und dieses ist auch schon zur Hälfte rum. Ich versuche es so gut wie es geht positiv zu sehen und hoffe, dass ich mich und mein Leben wieder auf Vordermann bringen kann.

Drückt mir die Daumen; bis dann 🙂